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Interdisziplinäre Brustbehandlung
In den westlichen Industrieländern ist Brustkrebs der häufigste Krebs bei Frauen. In der Schweiz erkrankt mindestens jede zehnte Frau im Lauf ihres Lebens an einem Mammakarzinom (Fachbegriff nach lat. mamma, "weibliche Brust" und grch. karkinos "krebs"). Heute kann - dank der möglichen frühen Diagnose und effizienten Therapien - die Mehrzahl der Brustkrebserkankungen geheilt werden.
In der Frauenklinik und im Stadtspital Triemli kommen bei Krebserkrankungen umfassendes Wissen und eingespielte Teams zum Einsatz. Die verschiedenen behandelnden Ärztinnen und Ärzte können jederzeit auf die Untersuchungsresultate zugreifen. Rücksprachen und Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen sind rasch und einfach möglich.
Ablauf und Diagnostik
Wird ein Brustkrebs diagnostiziert, stellen sich für die betroffenen Frauen auf einmal viele Fragen. Der Ablauf von Diagnostik und Therapie - er ist bei Brustkrebserkrankungen besonders vielseitig und vielschichtig - soll hier anhand häufiger Fragen aufgezeigt werden.
Wie wird ein Brustbefund erkannt?
Viele Brusttumoren werden von den Patientinnen selbst ertastet, auch wenn die Frauen sich nicht regelmässig untersuchen. Ein anderer Teil wird bei der Vorsorgeuntersuchung durch den Arzt, die Ärztin oder erst bei der Radiologischen Untersuchung (Mammographie, Ultraschall, Magnetresonanztomographie) erkannt.
Wie kann die Diagnose gestellt werden?
Nach dem Gespräch mit der Ärztin, dem Arzt wird bei tastbaren Befunden eine Mammographie und, falls nötig, eine Ultraschall-Untersuchung oder gar eine Magnetresonanz-Tomographie (MRI) durchgeführt. Sind diese Befunde vorhanden, empfiehlt sich eine Gewebeentnahme in lokaler Betäubung, meist unter Ultraschallkontrolle. An der Gewebeprobe (Biopsie) kann der Tumortyp und seine Empfindlichkeit auf gewisse Medikamente diagnostiziert werden.
Lässt sich der Befund nicht tasten, ist eine ultraschall- oder mammographisch gesteuerte Biopsie notwendig. Am Stadtspital Triemli wird auch die vakuumassistierte Brustpunktion eingesetzt. Diese neue Technik liefert eine sehr hohe Trefferquote. Damit lassen sich auch kleinste, nicht bösartige Tumore minimal-invasiv entfernen.
Wie soll die Behandlung ablaufen?
Sobald die Diagnose vorliegt, werden alle Möglichkeiten für die weitere Therapie mit der Patientin ausführlich besprochen. Folgende Fragen sollten dabei angesprochen werden:
- Kann die Brust erhalten werden oder muss sie ganz entfernt werden?
- Müssen mehr Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden oder genügt eine Wächterlymphknotenentfernung?
- Soll bei der ersten Operation ein Brustwiederaufbau durchgeführt werden?
- Soll mit dem Wiederaufbau gewartet werden, bis alle Resultate vorliegen oder sogar, bis die weiteren Therapien abgeschlossen sind?
- Sofern der Entscheid für einen Brustaufbau fällt: Soll mit eigenem Muskel- und Fett-Gewebe oder mit Silikon aufgebaut werden?
- Welche Möglichkeiten bestehen bei vorhandenem Kinderwunsch?
Wichtige Faktoren für die Operationsart sind
- die wahrscheinliche Tumorgrösse,
- die Aggressivität und
- die Wahrscheinlichkeit eines Lymphknotenbefalls.
Die Diagnose Brustkrebs ist für die betroffenen Frauen meist ein grosser Schock. Damit sie sich mit ihrer Krankheit auseinandersetzen können, ist eine sorgfältige und ausführliche Aufklärung über die verschiedenen Therapieformen, die erwarteten Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen von grösster Bedeutung.
Wie verläuft die Operation?
Bei vielen Frauen können wir heute brusterhaltend operieren. Das heisst, es wird lediglich der Tumor mit einem Sicherheitsabstand oder ein Segment der Brust entfernt. Dieser Eingriff wird üblicherweise in einer Vollnarkose durchgeführt.
Zur Überprüfung der Lymphknoten in der Achsel wenden wir die Wächterlymphknotentechnik (Sentinel-Lymphknoten) an. Am Vortag der Operation wird dafür eine spezielle, leicht radioaktive Substanz um den Tumor gespritzt. Während der Operation kann so der zum Tumor gehörende Lymphknoten erkannt und entfernt werden. Zur exakteren Diagnostik verwenden wir während der Operation noch zusätzlich einen blauen Farbstoff. So können die blau gefärbten Lymphbahnen zum einfacheren Auffinden bis zum Lymphknoten verfolgt werden.
Falls die ganze Brust entfernt werden soll, kann in der Regel aus demselben Schnitt auch der Wächterlymphknoten entfernt werden.
Was passiert, wenn der Wächterlymphknoten befallen ist?
Internationale Richtlinien empfehlen dann die Entfernung und Untersuchung von weiteren Lymphknoten aus der Achsel. Dies geschieht in derselben Operation, falls der Befall schon in der Schnelldiagnostik während der Operation festgestellt werden kann. Sonst wird eine weitere, allerdings kürzere Operation einige Tage später notwendig.
Wie wird das Tumorgewebe untersucht?
Das Tumorgewebe wird bereits während der Operation durch die Pathologie erstmals untersucht. Anschliessend erfolgt eine genaue und detaillierte Diagnose um festzustellen,
- ob die Geweberänder tumorfrei sind,
- wie gross der Tumor ist und
- wie ausgedehnt der Lymphknotenbefall ist.
Zudem werden verschiedene Marker zum Festlegen der Aggressivität geprüft. Ist ein Tumor schlecht begrenzt, kann es sein, dass eine zweite Operation zur besseren Entfernung des Tumors nötig wird. Dies ist auch der Fall, wenn der Wächterlymphknoten in der Schnelluntersuchung während der Operation tumorfrei war und in der genauen Untersuchung doch Tumorzellen zeigt.
Wie geht es nach der Operation weiter?
Ein grosser Vorteil für Patientinnen ist die im Stadtspital Triemli vorhandene interdisziplinäre Zusammenarbeit. Um die wirkungsvollste Therapie bei einer Brustkrebserkrankung festzulegen, setzen sich nun die Chefärzte und Chefärztinnen der Gynäkologie, Onkologie, Radiologie, Pathologie, Nuklearmedizin und Radio-Onkologie an einem so genannten Tumorboard (interdisziplinäre Tumorfallbesprechungen) zusammen. Vom ersten Verdacht bis zum Abschluss der Behandlung profitieren die Patientinnen, unabhängig von der Versicherungsklasse, von einer umfassenden und konstanten Betreuung durch Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen der verschiedenen Kliniken und Institute am Triemli.
Wann ist eine Chemotherapie nötig?
Wenn das Risiko besteht, dass noch Tumorzellen im Körper vorhanden sind, ist eine Therapie mit Medikamenten wichtig, die diese Tumorzellen vernichtet. So können wir die Chance auf eine Heilung bei Brustkrebspatientinnen deutlich verbessern.
Wie werde ich auf eine Chemotherapie vorbereitet?
Vor einer solchen Therapie werden die Vorteile gegenüber den Nebenwirkungen mit den Betroffenen ausführlich besprochen. Hier arbeiten der betreuende Frauenarzt, die Frauenärztin eng mit den Onkologen zusammen. Ist eine Gabe von Medikamenten geplant, welche das Herz belasten können, wird durch die Abteilung Kardiologie vorsorglich eine Herzultraschalluntersuchung durchgeführt.
Wie läuft eine solche Chemotherapie ab?
Die Chemotherapie erfolgt in der Regel ambulant in der Frauenklinik. Frauenärztinnen betreuen gemeinsam mit den Onkologen die Patientinnen. Diese erhalten nach der gründlichen Untersuchung und Vorbesprechung meistens alle drei Wochen eine Infusion. Schon früh werden notwendige Medikamente gegen mögliche Nebenwirkungen verschrieben. In seltenen Fällen, bei denen weitere Erkrankungen während einer Chemotherapie auftreten, können die Patientinnen jederzeit wieder im Triemli hospitalisiert werden.
Was bedeutet Hormontherapie?
Viele Brusttumore sind empfindlich auf weibliche Hormone. Dies wird bei der pathologischen Untersuchung im Labor genau geprüft. Können solche Hormonrezeptoren gefunden werden (Oestrogen und Progesteron) kann die Heilungschance durch eine die Hormone blockierende Therapie nochmals deutlich erhöht werden. Diese Hormontherapie dauert mindestens 5 Jahre, häufig auch länger.
Wann ist eine Bestrahlung angezeigt?
Heute ist es oft möglich, die Brust bei der Operation zu erhalten. In solchen Fällen wird die Strahlentherapie zur Senkung des Rückfallrisikos empfohlen.
Aufgrund des ursprünglichen Sitzes des Tumors wird das Strahlenfeld genau ausgemessen und die Strahlendosis genau berechnet. Bei grossen Tumoren oder bei ausgedehntem Lymphknotenbefall kann auch nach der Entfernung der Brust eine Strahlentherapie nötig sein.
Wie werde ich im Triemli für meinen Alltag unterstützt?
Im Triemli sind die Mitarbeitenden des Sozialdienstes sowie die spitalinternen Psychologinnen eng in die Betreuung der Patientinnen eingebunden. Ist beispielsweise eine Patientin durch die Diagnose psychisch stark belastet, kann sie auf Wunsch schon vor der Operation durch eine Psychologin unterstützt werden. Nach der Operation wird mit den Patientinnen sorgfältig geprüft, wo im Alltag zusätzliche Hilfe nötig wird.
Ist die Nachbehandlung am vertrauten Ort möglich?
Nach der Chemotherapie wird bei einem hormonsensiblen Tumor eine antihormonelle Therapie nötig. Diese kann fünf oder mehr Jahre dauern. Während dieser Zeit sind auch ohne Therapie Kontrolluntersuchungen nötig, die bei den Haus- oder FrauenärztInnen oder im Triemli durchgeführt werden können. In den ersten 2-3 Jahren finden diese alle 3 Monate statt, danach bis 5 Jahre halbjährlich und ab 5 Jahren jährlich. Die Zuweisenden und betreuenden Ärzte werden regelmässig schriftlich und detailliert über den Therapieverlauf unterrichtet. So sind alle in die Behandlung und Betreuung der Patientin involvierten Personen auf dem gleichen Informationsstand.
Erfahrungsberichte von Frauen
Wer an Brustkrebs erkrankt, interessiert sich in der Regel, wie andere betroffene Frauen ihre Situation erfahren und durchstehen. Wir möchten auf zwei Websites hinweisen, die von Zürcher Patientinnen geführt sind. Sie berichten aus erster Hand über das Erlebte und die Krankheit.
- meinbrustkrebs.net
Eine spielerisch poetische Website - mit Blog. Die Patientin und Grafikerin wurde 2007 operiert.
- brustkrebsverlauf.info
Die langjährig betriebene Website - mit Forum - zeichnet die Erlebnisse im Detail nach und bietet Hintergrundinformation, die bei anerkannten Fachärztinnen und Fachärzten eingeholt wurde. Die Patientin und Websiteautorin wurde 2004 operiert.
Weiterführende Informationen oder Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch bieten auch Selbsthilfeorganisationen, Ligen oder medizinische Auskunftsstellen von Krankenkassen. Eine Auswahl von Links finden Sie unter nützliche Patienteninfos.
In Kürze: Weiterentwicklung von Diagnose und Therapie in den letzten zehn Jahren:

- Die digitale Mammographie wird eingeführt, mammographische Bilder werden digital gespeichert.
- Bei nicht tastbaren, unklaren Tumoren hat sich die vacuumassistierte, ultraschallgesteuerte resp. stereotaktische Gewebeentnahme etabliert.
- Die Wächterlymphknotentechnik zur Vermeidung einer unnötigen Entnahme gesunder Lymphknoten aus der Achselhöhle wird eingeführt.
- Die Vorabklärung wird wichtiger, da bereits im Voraus zwischen einem invasiv wachsenden und einem in situ (am Ort) wachsenden Tumor unterschieden werden muss und zunehmend auch sonographisch ein möglicher Lymphknotenbefall untersucht wird.
- Die Antikörpertherapie mit Herceptin erweist sich auch adjuvant (unterstützend nach Operation oder Bestrahlung) als wirkungsvoll bei Her2- rezeptorpositiven Tumoren.
- Als antihormonelle Therapie gewinnen die Aromatasehemmer neben Tamoxifen auch adjuvant bei postmenopausalen Patientinnen an Bedeutung.

