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Sonnenschutz ja, aber wie?
- Die Sommerferien sind vorbei. Wieviel sonnenverbrannte Haut ist Ihnen als Hautarzt aufgefallen?
Ausgeprägte Sonnenbrände in der Jugend begünstigen die Entwicklung von Hautkrebs, Pigmentstörungen und vorzeitige Hautalterung.
- Was genau haben Sie rund um Lichtschutz, Sonnenschutz und Photoprotection untersucht?
Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 90 Prozent der sogenannt weissen Hautkrebs‑Formen, also der Basalzell- und Plattenepithelkarzinome, und 65 Prozent der schwarzen Hautkrebserkrankungen, der besonders gefährlichen malignen Melanome, durch die Sonne induziert werden. Daneben ist die Sonne verantwortlich für diverse Lichtdermatosen, im Volksmund Sonnenallergien genannt, für unregelmässige Pigmentierungen und – weitgehend – für die frühzeitige Hautalterung.
Die Haut vergisst nicht: Beispiel einer sonneninduzierten vorzeitigen Hautalterung mit Lichtschaden.
Aufgrund der Literaturanalyse und der aktuellen Datenlage ergab sich ein Gesamtbild, das die Prioritäten beim Sonnenschutz anders setzt: Das Vermeiden einer Sonnenexposition und textiler Sonnenschutz zeigen bezüglich der Krebsprävention die beste Wirksamkeit. In unserer Freizeit‑ und Outdoor‑Gesellschaft, die dem Trend einer gesunden, vitalen Bräune nachlebt – haben diese eher untrendigen Präventionsmassnahmen einen schweren Stand. Die Sonnencrèmes dagegen haben eine hohe Akzeptanz erhalten. Sie dürfen jedoch nicht als Freipass für unbegrenztes Sonnenbaden verstanden werden.
Sonnenbrand bei unvollständiger Applikation der Sonnencrème.
- Sonnencrèmes werden der Studie zufolge häufig falsch eingesetzt.
- Sie unterscheiden in der Studie zwischen organischen und nicht‑organischen Sonnenschutzfiltern und zwischen UVA‑ und UVB‑Filter. Wann ist welche Sonnenschutzcrème am besten?
- Können Melanome, als die gefährlichste aller Hautkrebsarten, mit Sonnenschutz vermieden werden?
Aus der Literatur und unserer Arbeit im Ambulatorium ist ersichtlich, dass hellhäutige Menschen und Menschen mit schweren und zahlreichen Sonnenbränden in der Jugend viel häufiger an einem Melanom erkranken. Folglich spielt die Sonne bei der Entstehung der meisten Melanome eine entscheidende Rolle. In unseren Recherchen weltweit haben wir auch Hinweise gefunden, dass Sonnenschutz durch Kleidung eine präventive Wirkung haben kann. Dagegen fanden wir keine absoluten Hinweise, dass Sonnenschutz‑Crèmes beim Melanom präventiv wirksam sein können – im Unterschied zu Präkanzerosen und Plattenepithelkarzinomen, wo dies wiederum belegt ist. Dies könnte jedoch durch eine bisher fehlerhafte oder inkonsequente Anwendung oder durch Verwenden falscher Präparate – alleiniger UVB‑Schutz zum Beispiel – mitbedingt sein. Die Frage muss in grösseren Studien geklärt werden. Dies wird jedoch Jahre bis Jahrzehnte dauern. Die beste Prävention ist nach wie vor, Sonnenbrände und Aufenthalte an praller Sonne möglichst zu vermeiden. Das weit verbreitete Vertrauen auf den Sonnenschutzfaktor allein gilt es zu relativieren.
- Es fällt auf, dass immer mehr Menschen über Sonnenempfindlichkeit klagen. Was hat sich in den Sonnenstrahlen verändert, dass sie immer aggressiver werden?
Ozon, das sich vor allem in der Stratosphäre zwischen 10 und 50 Kilometern oberhalb der Erdoberfläche befindet, absorbiert vollständig UVC, grosse Mengen von UVB und wenig UVA. Eine Verringerung der Ozonschicht, wie sie jährlich seit den Siebziger-Jahren vor allem in der südlichen Hemisphäre zu beobachten war, führt folglich zu einer verminderten Absorption von insbesondere UVB. In Studien wurde berechnet, dass eine einprozentige Verminderung der Ozon‑Schicht eine ein‑ bis zweiprozentige Steigerung der Melanom‑Mortalität zur Folge hat. Die Ozon‑Schicht scheint sich glücklicherweise in den letzten Jahren stabilisiert zu haben.
* Lancet-Publikation 2007
| Photoprotection: Stephan Lautenschlager, Hans
Christian Wulf, Mark R Pittelkow
Online: May 3; DOI:10.1016/50140‑6 736(07)60638‑2 Printausgabe: August 11 (The Lancet 2007; 370:528-37) ( http://www.thelancet.com/) |
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