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Publikationen & Broschüren
Persönlich-Kolumne: Jugendsünde
Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich
Daniel Leupi, Vorsteher des Polizeidepartements
Der Gemeinderat von Zürich und der Landrat von Uri trafen sich im September zum regelmässigen Gedankenaustausch. Die Zürcher Delegation brachte diesmal einen speziellen Gegenstand aus Uri zurück. Gemeinderätin Marina Garzotto überreichte ihn mir mit der Erklärung: «Ein Urner, der in den 70er Jahren in Zürich studiert hatte, trägt seither eine Last mit sich herum. Es quält ihn sein schlechtes Gewissen wegen einer Untat, die er als Student in Zürich verübt hatte. Er hatte seither ein corpus delicti in seinem Keller und hat es endlich loswerden wollen. Er hatte damals ein Strassenschild am Schöneggplatz abgeschraubt und gestohlen. Niemand hat seither herausgefunden, wer der Dieb war. Auch ich weiss es nicht. Er hat mir das Strassenschild beim Treffen der Parlamente per Mittelsmann übergeben. Ich möchte diesem Urner helfen, dass er wieder ein reines Gewissen haben kann und übergebe es nun Ihnen, weil Sie der zuständige Stadtrat sind für die Strassentafeln.»
Frau Garzotto überzeugte sich nach dem Erhalt der Tafel, dass der Schöneggplatz seit den 70ern nicht tafellos geblieben war. Zum grossen Amusement des Rates überreichte sie mir ein schönes, zürichblaues Strassenschild, das trotz 40 Jahren im Keller fast wie neu aussah.
Als ich mit der knapp zwei Kilo schweren Tafel den Ratssaal verliess, erkundigten sich mehrere Personen besorgt, ob ich Hilfe benötige, sie ins 300 Meter entfernte Amtshaus I zu transportieren. Ein Gemeinderat bot mir gar an, mich mit dem Auto zu fahren. Nun, mein Velo und sein Gepäckträger genügten vollauf.
Leider kann die Tafel nicht mehr ihren ursprünglichen Zweck erfüllen, weil die Rechtschreibung geändert hat (Schöneggplatz statt Schönegg-Platz). Im städtischen Archiv findet sich aber sicher noch ein Plätzchen.
Daniel Leupi
Vorsteher des Polizeidepartements

