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August 2011

Persönlich-Kolumne: Der Weg ist das Ziel (manchmal)

Publikation im Tagblatt der Stadt Zürich

Daniel Leupi, Vorsteher des Polizeidepartements

Daniel Leupi, Vorsteher des Polizeidepartements

Als wir zum Ferienstart unsere Plätze im ICE einnehmen, fällt mein Blick auf den Säugling zwei Reihen hinter uns. Sein leichtes Krächzen hat meine Aufmerksamkeit erregt. Das kann ja lustig werden, denke ich mir. Sieben Stunden Zugfahrt mit einem schreienden Kind!

Aber da ist nichts zu machen. Der Zug ist voll und unsere Plätze seit Wochen reserviert. Wie ich so sitze und den Blick durch den Gang schweifen lasse, kommen Erinnerungen an wenig erholsame Fahrten in mir auf. Ich sehe die vielen Kilometer vor mir, die ich mit meinen Kindern an der Hand durch die Zugsgänge gewandert bin, als sie noch klein waren. Auf und ab, ohne Ende. Manchmal war das durchaus lustig, und manchmal wollte und wollte der Zielbahnhof nicht näher kommen. Manchmal ist eben der Weg das Ziel.

Bei aller Liebe zu den Kindern und zum Zugfahren bin ich froh, dass diese Lebensphase hinter mir liegt. Den Eltern des Bébés steht sie noch bevor, denke ich nicht ohne Mitgefühl. Da geht es mir heute doch viel besser. Meine Kinder sind Teenager geworden und man kann sich mit ihnen ganz vernünftig unterhalten, doch, doch. Auch anspruchsvolle Spiele, um die Reisezeit zu verkürzen, können sie.

Könnten sie, wenn sie wollten. Doch Teenager sind manchmal launische Wesen und wenn sie am Morgen zu früh geweckt worden sind, haben sie vielleicht sieben Stunden lang keine Lust auf gar nichts (höchstens auf den Speisewagen) und nehmen die iPod-Stöpsel nicht aus den Ohren oder legen ihr Buch nicht zur Seite.

Tja, Kinder können es einem oft nicht recht machen. Wir Erwachsenen ihnen auch nicht. Aber das ist auch gut so!

P.S. Der Säugling war die ganze Zeit absolut ruhig.

Daniel Leupi
Vorsteher des Polizeidepartements


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